Ernste Gedanken… 24. 11. 2006
Posted by griessi in News.trackback
Ich muss jetzt mal meine Gedanken zu einem Thema zusammenfassen, dass mich schon lange beschäftigt und gerade wieder aktuell geworden ist.
Erst einmal meine ehrlichen Besserungswünsche nach Emsdetten. Ich hoffe den Opfern geht es bald wieder gut.
Die Leiche des Amokläufers von Emsdetten wurde noch obduziert, da ertönte bereits wieder der Ruf nach einem Verbot von „Killerspielen“.
(spiegel.de)
Dazu habe ich zwei alte und einen neuen Gedanken:
- Jeder Medienforscher, Psychologe, Kommunikationswissenschaftler und wer sich sonst noch Experte nennt sagt öffentlich, dass es keinen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Computerspielen und realer Gewaltausübung gibt. Da…
…es Millionen vernünftiger Menschen gibt, die jahrelang Shooter gespielt haben. Und denen stellt man jetzt zwei Einzelfälle gegenüber, in denen Spieler real gewalttätig geworden sind…
(Jörg Müller-Lietzkow, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Jena) - Zwei von mehr als 1 Millionen (mindestens) Computerspieler laufen Amok. Es gab 2004 laut dem Deutschen Sportbund 61.317 registrierte Boxer in Deutschland und ich bin mir sicher unter denen gibt es eine DEUTLICH höhere Anzahl von Gewaltverbrechen in den letzten Jahren. Aber will deshalb jemand das Boxen verbieten? Nein! Warum auch, es gibt keinen Zusammenhang. Man könnte natürlich auch jede andere Bevölkerungsgruppe wählen, wie Bowlingspieler(Columbine) oder Vollkornbrotesser.
Das waren alles lange bekannte Sachen, oft gehörte Argumente. Was mir gestern selbst dazu einfiel, ist folgendes:
Was wäre passiert, wenn dieser Jugendliche kein CounterStrike gespielt hätte? Eine naheliegende Frage, die aber scheinbar noch nirgends gestellt wurde.
Glaubt wirklich jemand dieser Junge hätte stattdessen Bibelstunden besucht oder wäre dem Schulchor beigetreten?
Wahrscheinlich hätte er sich ein anderes Ventil gesucht (Horrorfilme, Kampfsport, irgend etwas anderes um Wut abzulassen).
Und das ist genau der Punkt: CounterStrike war sein Ventil. Hätte er es nicht gehabt, wäre er meiner Überzeugung nach schon früher ausgerastet. Ich spiele schon seit vielen Jahren teilweise äußerst brutale Computerspiele. Ich fühle mich danach oft entspannt, fast befreit und ich kenne einige Personen denen es genauso geht. Meine These ist also:
Brutale Computerspiele sorgen für Entspannung und helfen Aggressionen abzubauen. Sie verhindern damit reale Gewalt.
Für diese These gibt es keine Beweise, keine aussagekräftigen Langzeitstudien. Genauso wie für die These: „Killerspiele erzeugen Gewalt„.
Ein Punkt steht aber auch für mich fest, Spiele mit deutlicher Gewaltdarstellung sollten nicht von Kindern gespielt werden. Dafür gibt es die USK und in extremen Fällen die BPjM. Danach sind die Eltern gefordert. Sie müssen kontrollieren was ihr Kind spielt, auch wenn das Arbeit macht. Vom Staat zu verlangen diese Arbeit zu übernehmen halte ich für faul und nicht machbar.
Ein Verbot von „Killerspielen“ (dieser Begriff ist noch nicht einmal eindeutig definiert) erzeugt nur eins: mehr Raubkopien. Je verbotener etwas ist, desto reizvoller wird es doch.
Insgesamt erkenne ich das gleiche Muster wie bei dem Verbot der NPD. Statt sich mit einem wichtigen aber schwierigen Thema inhaltlich auseinanderzusetzen, verbietet man es einfach. Selbst die Folgen eines Verbotes wären ähnlich: Ab in den Untergrund, jegliche Kontrolle geht verloren.
Tja ein langer Text und Oh Wunder: Ein Computerspieler schimpft über das geplante Verbot von Computerspielen. Was für eine Überraschung. Aber falls sich irgendjemand durch diesen Roman kämpft, wird er vielleicht zum Nachdenken angeregt. Und DAS lohnt sich immer.



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